„Gebt dem Kaiser, was dem Kaiser gehört ..."
Offenburger Bibelgesprächskreis reflektiert Sonntagsevangelium, Mt. 22, 15-21
Offenburg. Der Offenburger Bibelgesprächskreis lädt auf Mittwoch, 14. Oktober, um 16 Uhr zum nächsten Bibelgespräch ins Pfarrzentrum Weingarten, Zell-Weierbach, ein.
Die Bibel miteinander teilen, Gemeinschaft leben und das Evangelium des nachfolgenden Sonntags reflektieren, es mit dem eigenen Leben in Beziehung bringen und positive Schlüsse in der Hinwendung zu Jesus und seiner Lebensweise ziehen, das steht im Mittelpunkt des monatlichen Treffens der Bibelgesprächsteilnehmer in der Hauskapelle des Pfarrzentrums Weingarten, Franz-Schmidt-Straße 36, Zell-Weierbach.
Unter dem Motto „Gebt dem Kaiser, was dem Kaiser gehört und Gott, was Gott gehört“ reflektiert der Offenburger Bibelgesprächskreis das Sonntagsevangelium, Mt. 22, 15-21. Seit drei Wochen berichten die Sonntagsevangelien aus dem Matthäusevangelium vom letzten großen Schauplatz des Wirkens Jesu: Jerusalem. Nach Jesu Einzug in Jerusalem erregt er großes Aufsehen mit der Tempelreinigung. Auf dem Tempelgelände kommen auch die Hohepriester und Ältesten auf ihn zu und wollen wissen, mit welcher Vollmacht er lehrt und handelt. Wer Jesus kennt, weiß, dass er auf solche Fragen nicht direkt antwortet, sondern in Gleichnissen. So auch hier und sogar gleich mit dreien: Dem Gleichnis vom willigen und unwilligen Sohn eines Weinbergbesitzers, dem von den bösen Winzern und dem Gleichnis vom königlichen Hochzeitsmahl. In der Deutung der Gleichnisse entlarven sich die Fragesteller selbst als diejenigen, die dem Ruf der Umkehr nicht gefolgt sind und die Einladung Gottes ausschlagen.
Hinterlistige Falle
Sicherlich können Sie sich vorstellen, dass Jesus durch seine rabiate Tempelreinigungsaktion ins Visier der jüdischen Verantwortlichen gelangt und als potentieller Unruhestifter eingestuft worden ist und nun als Volksaufhetzer observiert wird. Es steht das Paschafest bevor, wo über 100.000 Wallfahrtspilger aus aller Herren Länder in Jerusalem erwartet werden. Da passt Jesus mit seiner Passion nicht in die Gemengelage der Verantwortlichen. Deshalb haben es schon einige Vertreter jüdischer Religionsgruppen ohne Erfolg versucht, Jesus mit List und Tücke schnellstens in ihre Gewalt zu bekommen. Sie merken, so kommen sie bei Jesus nicht zum Ziel, ihn der Öffentlichkeit zu entziehen und holen zum Gegenschlag aus.
Und hier beginnt das Evangelium vom 29. Sonntag im Jahreskreis (18.10.2026), Mt. 22, 15-21.
Tauchen wir in das Geschehen ein: Die Pharisäer treffen sich und nehmen sich viel Zeit für reichliche Überlegungen, Jesus „unschädlich zu machen“; den Tötungsbeschluss haben sie schon früher gefasst (Mt. 12, 14). Die Idee, die sie gefunden haben, finden sie genial. Sie wollen Jesus die Frage stellen: „Ist es erlaubt, dem Kaiser Steuern zu zahlen, oder nicht?“ Das ist eine politisch und religiös brisante Frage. Da die Pharisäer gemerkt haben, dass sie bei Auseinandersetzungen mit Jesus immer den Kürzeren ziehen, müssen sie dieses Mal anders (verdeckt) vorgehen. Sie beauftragen ihre Schüler, zusammen mit Anhängern des ungeliebten Königs Herodes („Vasallenkönig der Römer“), zu Jesus zu gehen. Sie nennen Jesus „Meister“ und versuchen ihn durch gezielte Schmeichelei über seine „wahrhaftige“ Auslegung des Weges Gottes in Sicherheit zu wiegen. Und dann kommt pfeilschnell die besagte Frage.
Jesus, der als Gottessohn auch in die Herzen der Menschen blicken kann, erkennt sofort ihre boshafte Absicht und die Falle, die sie ihm gestellt haben. Jesus aber schlägt sie mit ihren eigenen Waffen: „Ihr Heuchler, warum versucht ihr mich? Zeigt mir die Münze, mit der Ihr eure Steuer bezahlt!“ Sie halten Jesus einen Denar, der damals pro Person als Jahressteuer an die römische Besatzung abgeführt werden musste, entgegen. Jesus beantwortet dann nicht die Frage nach dem Erlaubtsein der Steuerzahlung, vielmehr fragt er nach den Eigentumsverhältnissen der Münze. „Die gehört dem Kaiser“, müssen sie wahrheitsgemäß zugeben. Folgerichtig sagt Jesus ihnen darauf: „So gebt dem Kaiser, was dem Kaiser gehört“ und setzt hinzu: „Und Gott, was Gott gehört.“
Rechte und Pflichten
Auf diese Weise ist Jesus dem Fallstrick schon wieder entkommen. Die Schüler und Herodianer staunen über die Reaktion Jesu nicht schlecht, lassen ihn stehen und zotteln davon. Die Falle hat also auch dieses Mal nicht zugeschnappt, aber die Absicht der Gegner Jesu bleibt bestehen und das Paschafest nähert sich unumkehrlich.
„So gebt dem Kaiser …“ kann im griechischen Text auch die Bedeutung „zurückgeben“ haben. Dem Kaiser – heutzutage dem Staat/Finanzamt – soll zurückgegeben werden, was er für Staatsaufgaben für die Volksgesamtheit und für das Volk (Soziales) tut, damit er dies überhaupt tun kann. Dieses Evangelium kann uns also auch sagen, dass wir zum einen Bürger eines Staates sind und wir die gültigen Pflichten und Rechte respektieren sollen. Aber, und das ist als das Größere anzusehen, sind wir Kinder und Volk Gottes und sollen zuallererst die Gebote Gottes sowie das jesuanische Vermächtnis der (Nächsten-)Liebe, Barmherzigkeit und liebevolle Menschlichkeit leben, die über allem stehen.
Bitten wir also Gott, dass er uns bei den Fallstricken in unserem Leben immer zur Seite steht und hilft.
Herzliche Einladung zum Bibelgespräch. Bitte bringen Sie eine Bibel oder das Neue Testament mit.
Folgetermin
Der Bibelgesprächskreis trifft sich einmal pro Monat. Die nächsten Termine sind dann am Mittwoch, 4. November, mit Gruppengottesdienst und Bibelgespräch und am 2. Dezember als Bibelgespräch jeweils um 16 Uhr in der Hauskapelle des Pfarrzentrums Weingarten.