Ökumenischer Gottesdienst mit Tradition am Backhieslefest
Offenburg-Fessenbach. Gestaltet wurde der Gottesdienst von der evangelischen Pfarrerin Katrin Bessler-Koch sowie dem katholischen Pastoralreferenten Stephan Thüsing – die Kollekte ging an die Pflasterstube. Begleitet wurde der Gottesdienst von einer Bläsergruppe des Musikvereins Fessenbach sowie Beiträgen des Gesangvereins Fessenbach.
Traditionell wird das Backhieslefest im Monat September des Gesangvereins Liederkranz Fessenbach 1874 e.V. mit einem ökumenischen Gottesdienst am Samstag um 17 Uhr eröffnet. Es waren zahlreiche Besucher zum Gottesdienst gekommen., die von Pastoralreferent Stephan Thüsing sowie seiner evangelischen Kollegin, Pfarrerin Katrin Bessler-Koch, begrüßt wurden. Gestaltet wurde der Gottesdienst zusammen mit der Sängerschar des Gesangvereins sowie Rolf Schmidle und Martina Litterst-Kempf, beide aktive Mitglieder des Gesangvereins, die zusammen mit dem Chor sowie einer Bläsergruppe des Musikvereins den Gottesdienst bereicherten, der unter dem Motto stand: „ich bin das Brot des Lebens“ (Joh. 6,48).
Vom Brot des Lebens und einer packenden Brezel-Legende
Mit der wunderbaren „Brezel-Legende“, die zum Motto „Brot des Lebens“ passte, inklusive einer Aufführung, wurden die ZuhörerInnen in die Historie der Brezel eingeführt, die ja auch als Teigling geformt ist und im Backofen dann zu einem knusprigen Gebäck ausgebacken wird. Die Brezel wurde bereits im Mittelalter erwähnt und galt auch als Fastenbrot. Stephan Thüsing und Katrin Bessler-Koch, mit Kittelschürze bekleidet, erzählten die Geschichte über die Brezel, die im schwäbischen Bad Urach entstanden sein soll. Frieder, der Bäcker, alias Stephan Thüsing und Berta, seine Frau, alias Katrin Bessler-Koch waren die Bäckerfamilie, die mit ihren „Weckle und Broten“ auch den Herzog erfreuten.
Ein Gebäck, durch das dreimal die Sonne durchscheint
Doch das lose „Mundwerk“ von Frieder brachte ihn beim Herzog Eberhard, dargestellt von Rolf Schmidle, in arge Bredouille, sogar in den Kerker und die Todesstrafe drohte. Doch Berta, seine beherzte Frau, stürmte zum Herzog und legte ein gutes Zeugnis für ihren Mann ab. „Wenn er mir etwas bäckt, wo dreimal die Sonne durchscheint, dann entlasse ich ihn aus dem Kerker“, schlug der Herzog vor und so gingen beide gemeinsam mit guter Hoffnung nach Hause. Es waren die verschränkten Arme auf der Brust seiner Frau, die ihn inspirierten und bewogen, die uns allen bekannte Form der Brezel herzustellen. Seine Frau war entzückt und die Teiglinge lagen schön verteilt zum Backen auf dem Backbrett. Da kam die Katze ins Spiel, die auf das Backbrett hüpfte und die Teiglinge in der Lauge landeten. Zum Verdruss der Eheleute blieb noch sehr viel Lauge an den Brezeln haften, trotz Reinigung. Doch die Zeit war knapp und neue Teiglinge herzustellen kam nicht mehr in Frage. Aber die Lauge war es schließlich, die zum guten Geschmack und zur braunen Knusprigkeit des Gebäcks beitrug und ein Name war auch schnell gefunden. So entstand die Brezel, die von Frieder auch noch mit ein paar Salzkörner geschmacklich verbessert wurde. So ist die Brezel auch heute von unserer Speisekarte nicht mehr wegzudenken. Die Geschichte hat somit auch ein Happyend gefunden und Frieder sowie Berta kehrten glücklich nach Hause zurück. Unter Applaus des Publikums schritt auch der Gottesdienst weiter fort.
Gesangverein erfreut mit Liedern und bringt sich in den Gottesdienst ein
Mit dem Friedenslied „Dona nobis pacem“, vorgetragen vom Gesangverein unter der Leitung von Rie Seibert, sowie dem anschließenden Friedensgruß, lasen Mitglieder des Gesangvereins die Fürbitten vor. Sie richteten sich an die Menschen in aller Welt, die Hunger leiden oder auch deren Seele nach Liebe und Anerkennung hungert, aber auch an die Kriegs- und Krisengebiete, damit endlich Frieden herrscht, an Menschen, die auf der Straße leben und liebevolle Begegnungen sowie Trost finden in der Pflasterstube. Damit einher ging auch der Segen für unser täglich Brot, für die Gemeinde und für unser Dorf Fessenbach.
Spende für die Pflasterstube, die Obdachlose unterstützt
Das war auch das Stichwort für Dr. Hannes Schadeberg von der Pflasterstube, der sich für die Kollekte herzlich bedankte. Seit 20 Jahren gibt es die Pflasterstube, begleitet von zwei Helferinnen und zwei Krankenschwestern, die die Obdachlosen auch zu den Praxen der Ärzte bringen. 10 Ärzte im Ruhestand helfen in Offenburg, Kehl, Achern und Lahr kostenlos. Im Augenblick geht es um eine schwangere Frau, die betreut wird, so Herr Schadeberg. Insofern kommt die Kollekte gerade zur rechten Zeit, denn die Pflasterstube finanziert sich nur durch Spenden. Mit dem Lied „Nun danket alle Gott mit Herzen, Mund und Händen, der große Dinge tut an uns und allen Enden“, wurde der Gottesdienst beendet und Dank gesagt, an alle, die gekommen waren, gespendet haben und an die Mitwirkenden des Gottesdienstes, den Gesangverein, der Bläsergruppe des Musikvereins und allen HelferInnen. Inzwischen füllte sich auch der Festplatz mit weiteren Besuchern, denn ab 18 Uhr ging es mit dem eigentlichen Backhieslefest los und auf die duftenden Flammenkuchen, den neuen Wein und den netten Begegnungen freute sich nicht nur die Vorstandschaft und die Sängerschar des Gesangvereins, sondern alle Gäste aus nah und fern.
von Ursula Haß (uh)




