Eindrucksvolle "Nacht der offenen Kirchen"

Die Kirchen der Offenburger Innenstadt boten am 8. Mai ein vielseitiges Programm

„Teilen verbindet“ war das Motto der diesjährigen "Nacht der offenen Kirchen". Zahlreiche Besucher genossen die Atmosphäre der Kirchenräume bei einem spirituellen Mix aus stillen Momenten, Musik, Begegnung und Gesprächen.

Jürgen Kempter, Kirchenvorstand der neuapostolischen Kirche begrüßte vor der mobilen Tiny Church auf dem Lindenplatz die „Fans der Nacht der Offenen Kirchen“ sowie die zufälligen Gäste und Zuhörer. Unter musikalischer Begleitung der Band „Lobpreis“ kündigte er ein Programm zu unterschiedlichen Aspekten des Teilens an. Die frühe Christengemeinde habe alles geteilt, so berichte die Apostelgeschichte. Dies klinge wunderbar, fast zu schön, um wahr zu sein“, sagte Daniel Saam, Dekan der altkatholischen Gemeinde in seiner Predigt. In den Kirchen werde gern davon geredet, dass Teilen etwas Schönes sei, doch man formuliere damit ein Ideal. Teilen erfordere Überwindung und sei nicht unbedingt leicht, doch wichtig und notwendig, wenn eine Gesellschaft nicht bloß eine Ansammlung von Individualisten oder gar Egoisten sein wolle. 
 
Langjähriges Format
 
Die Kirchennacht ist ein langjähriges Format, bei dem in zahlreichen Städten Gotteshäuser als Orte der Stille, der Kultur und Gemeinschaft über Konfessionsgrenzen hinweg erlebbar gemacht werden. Auch in Offenburg hat die Nacht der Offenen Kirchen eine lange Tradition. Viele Insider nutzen das Angebot, aber auch Vorbeikommende schauen gern mal beim abendlichen Stadtbummel rein.
 
„Die Nacht der Offenen Kirchen ist jedes Jahr ein Highlight, man begegnet einander, genießt die Aktionen und das Miteinander“, beobachtet Christian Kühlewein-Roloff, geschäftsführender Pfarrer der evangelischen Kirchengemeinde Offenburg. Dabei steht er gerade auf der Kirchentreppe und unterhält sich mit Vorbeikommenden. Das Programm der Kirchennacht ist so getaktet, dass man die einzelnen Veranstaltungen miteinander besuchen, oder auch einzeln unterwegs sein kann. Eine Frau aus Haslach überlegt noch, sie will sich das erst mal anschauen und dann weitersehen.
 
„Ich gehöre zur Innenstadtpfarrei, aber die anderen Konfessionen interessieren mich auch“, meint eine Besucherin, blättert im Programmflyer und will sich später das Orgelkonzert anhören. Es sei immer schön, als Christ Geschwister im Glauben zu treffen, freut sich ein Offenburger. „Eine Supergeschichte, weil auch Menschen kommen, die vielleicht sonst nicht gern in die Kirche gehen“, so eine weitere Teilnehmerin, die es spannend findet, dass die Kirchen zusammen etwas auf die Beine stellen. 
 
Teilen als Weg zu mehr Miteinander

Bei der ersten Station des Abends in der Klosterkirche wurde das Thema „Teilen als Weg zum Miteinander“ aufgegriffen. Für Ordensgemeinschaften gehöre es zum Alltag der Klosterregeln, so Schwester Dorothea, Oberin des Klosters Unserer Lieben Frau. Betriebsseelsorger Stefan Falk und Ricarda Christ vom Verein SoLaVie (Solidarisch landwirtschaften und leben) informierten über zeitgemäße Formen des Teilens. Seit 2016 setzt der Verein die Idee auch in der Ortenau um, dass nicht nur die Ernteerträge, sondern auch die Verantwortung der Landwirtschaft und das Risiko der schlechten Ernte geteilt werden. „Da steht der einzelne nicht allein da, sondern alle tragen das gemeinsam“, erklärte Christ. „Teilen bedeutet für uns auch Gerechtigkeit in der Arbeitswelt zu schaffen, wer arbeitet muss auch davon leben können und darf nicht abgehängt werden“, so Stefan Falk, der sich als Referent für katholische Betriebsseelsorge um Arbeitnehmerbelange kümmert. 

In der evangelischen Stadtkirche konnten die Zuhörer Chorwerken „Von der Schönheit der Schöpfung“ von Tjark Baumann und John Rutter für Chor, Schlagzeug und Klavier lauschen. Der Kirchenchor Prinzbach und Martha Voices Gengenbach vervollständigten das außergewöhnliche Konzert. Langanhaltenden Applaus folgte, ein Besucher bedankte sich extra: „Vielen Dank, das war wunderschön.“
 
Eva Peichl und Christoph Blamberg spielten zu vier Händen und vier Füßen die Orgel in der Kirche Heilig Kreuz. 
 
Zeitgleich gab es in der Heilig-Kreuz Kirche Orgelmusik zu vier Händen und vier Füßen. Kirchenmusikerin Eva Peichl und Bezirkskantor Christoph Blamberg ließen die Winterhalter-Orgel mit Werken der deutschen Orgelromantik erklingen. Zu zweit mache das besonders viel Spaß, so die Kirchenmusikerin, weil man die ganze Vielfalt der Orgel von leise bis laut durch alle Klangfarben ausnütze.
 
Dass „jeder ein wichtiger Teil des Ganzen“ ist, wurde in der neuapostolischen Kirche sichtbar gemacht. Mit Geschichten, Musik und Rätseln entstand in der Videopräsentation aus einzelnen Puzzleteilen ein kunterbuntes Gesamtbild aus vielen Lebenssituationen. Zu späterer Stunde stimmten die Menschen in der in Kerzenlicht getauchten Mattiaskirche zum Taizégebet die meditativen Gesänge der ökumenischen Communauté von Taizé in Burgund an, die jährlich zehntausende überwiegend junge Menschen aus aller Welt begeistert. Mit „Geh im Frieden“ endete die Kirchennacht gegen 23 Uhr vor der St.-Andreas-Kirche mit Liedern, Gebet und Segen. 
 
Text: Barbara Puppe