Kirche Griesheim St. Nikolaus, Geschichte

Gründungszeit und erste Kirche

Unter den zahlreichen, für die Ortenau so charakteristischen Chorturmkirchen gehört die Kirche in Offenburg-Griesheim, mit Prinzbach, zu den einzigen ursprünglichen Gotteshäusern, in denen bis heute noch katholischer Gottesdienst gehalten wird. Der Turm ist direkt über dem Altarraum erstellt, d.h. man hat beim Bau den Chor gleich im Erdgeschoss des massiven, viereckigen Turmes untergebracht. Der Kirchenraum des gewöhnlich dreigeschossigen Turmes ist noch niedrig. Parallel zum einfachen, dem Kirchenschiff zugewandten Satteldach des Turmes schließt sich am 2. Turmgeschoss das Satteldach der Kirche an. Die Fenster sind rundbogig und klein, das Äußere wirkt wuchtig und ist ohne Zierde. Wann die erste, schon 1206 erwähnte Kirche erbaut wurde, ist unklar. Aus spätgotischer Zeit stammt der heute noch vorhandene Turm, der zu den schönsten der Ortenau gehört. Dieser ist unten viereckig und oben achteckig. Im 15. Jh. erfolgte eine Erweiterung der Kirche. An den Turm wird ein nach heutigen Maßen schmäleres und kleineres Langhaus angebaut. An der Nordwand des Chores wird die Sakristei, mit doppeltem Kreuzgewölbe und profilierten Rippen, angefügt.
Die traditionelle Weihnachtskrippe in Griesheim

Die Seelsorge für die Gläubigen in Griesheim wurde von Offenburg aus vorgenommen. Für den Bau der Pfarrkirche mag das Patrozinium des hl. Nikolaus eine Orientierung geben. Da der Kult dieses hl. Bischofs von Myra vor dem Jahre Tausend in Deutschland unbekannt war und erst durch die Vermählung Kaiser Ottos II. mit Theophanu 972 eingeführt wurde, ist der Bau einer Pfarrkirche mit dem Titel dieses Heiligen nicht früher anzusetzen. Wie für die Gemeinden Eckartsweier und Gamshurst wurde Nikolaus als Patron gewählt, da dieser Schutzheilige als Patron der Flößer und gegen die gefährlichen Überschwemmungen verehrt wurde. Als Kirchenpatron wird Nikolaus in den Visitationsberichten des Landkapitels Offenburg von 1660 und 1719 erwähnt. Wahrscheinlich stand die Gestalt des hl. Nikolaus früher auch im Ortswappen von Griesheim. Heute sind im Ortswappen auf rotem Untergrund nur noch die Zeichen der Schiffer und Flößer geblieben: Schiffshaken, Kugel und umgekehrter Anker oder Rittstecken. Aus den späteren Jahrhunderten sind noch folgende Angaben über die Kirche vorhanden: 1561 Durch Jerg Vitz werden einige größere Reparaturen an der Kirche durchgeführt. 1692 Plünderung der Kirche durch die Franzosen. An beiden Altären werden die Reliquiengräber aufgebrochen. Damit Gottesdienst gefeiert werden kann, erhält der Hochaltar eine konsekrierte Steinplatte mit Reliquiengrab. Außerdem besteht aus diesem Jahr ein Gesuch, dass der Turm renoviert werden soll. 1699 Der Visitationsbericht stellt fest: Im Kirchendach regnet es herein, an beiden Altären sind die Reliquiengräber aufgebrochen. Ein halbzerfallener großer Taufstein steht in der Mitte der Kirche. Wahrscheinlich ist im Anschluss daran dieser Taufstein kleiner geschlagen worden und erhielt die gleichen Verzierungen wie der große; er steht noch heute in der Kirche unter der Kanzel. 1722 Pfarrer Mayer kümmert sich um die Erweiterung der Kirche. 1724 Der Chorraum der Kirche ist mit gehauenen Platten zu belegen und zu weißeln, der Nikolausaltar (heutiger rechter Seitenaltar) ist in die Mitte zu setzen und mit einem Aufbau zu versehen, neu zu fassen und mit Bandelwerk auszustatten. Wahrscheinlich war der Chor während der Kriege ausgebrannt. Dass der heutige rechte Seitenaltar (jetzt Wendelinusaltar) der damalige Hochaltar war, beweist das Jesusmonogramm IHS, das bei der Renovation wieder freigelegt wurde. 1740 Pfarrer Blankenbach stiftet für einen neuen Altar 200 Gulden. 1745 Maler und Fasser Tischinskoy gestaltet einen Altar in der Kirche; hier handelt es sich wohl um den jetzigen Marienaltar, der dem damaligen Nikolausaltar nachgebildet worden ist.


Die jetzige Pfarrkirche

1749 Für die auf 500 Seelen angewachsene Gemeinde war die ursprüngliche Chorturmkirche zu klein geworden. Nach den bisher ausgeführten Vorarbeiten genehmigt der Abt von Gengenbach 1749 die Erweiterung der Kirche. Als Bauherr erscheint der damalige Landesherr Markgraf Georg Ludwig von Baden-Baden, geboren 1702, Regierungsübernahme 1727, gestorben 1761. Sein Wappen, das baden-badische Allianzwappen, ist in Rocaillestuckarbeit am Triumphbogen des Chores angebracht. Die Decke zum 1. Obergeschoss des Turmes wird durchbrochen, der Chor erhöht, das Langhaus wird verbreitert und verlängert. Die neuen Maße: 25 x 15 x 7,30 m. Die gotischen Fenster am Turm bleiben. Der Grundstein am Sockel der linken Außenmauer zeigt die Jahreszahl 1749. 1757 Der Tabernakel wird benediziert. 1760 Der abgebrochene Taufstein aus der alten Kirche wird renoviert. 1796 Die Kirche wird ausgeplündert. 1797 Die Kirche wird erneuert. 1808 Renovierung der Kirche. Nach 1842 wird der Außenzugang zur Sakristei angebracht. 1886 Große Renovation. 1937 Unter Leitung von Baurat Götz, Karlsruhe, und nach Vorschlägen von Prof. J. Sauer erfolgt eine gründliche Renovation unter Pfarrer Hemmerle.
1971-1975 Die Kirche wird in ihrem Inneren von Grund auf renoviert und die ursprüngliche Bemalung und Ausgestaltung wieder hergestellt. In Zusammenarbeit mit dem Erzbischöflichen Bauamt in Freiburg und dem Landesdenkmalamt, Außenstelle Freiburg, unternimmt der Pfarrgemeinderat mit Pfarrer Adolf Metzger und der Gemeinderat unter Bürgermeister Karl Lurk die ersten Schritte zur Renovation. Die Renovation wird im Wesentlichen später dann durchgeführt, unter Leitung von P. Suitbert Telgmann, Kapuziner, da die Kapuziner im Juli 1973 die Seelsorge und die Verwaltung der Pfarrei Griesheim übernehmen. Die Erneuerung und Ausbesserung des reichhaltigen Stucks geschieht durch den Stuckateur Siller in Stuttgart. Die gesamte Restaurierung, Freilegung der alten Farben und Ausbesserung der Farben im gesamten Kirchenraum und an den Altären und Deckengemälden geschah durch den Restaurator Bunz aus Ulm, später Bermatingen (Bodensee). Im Zuge der Renovation wird eine Elektro-Fußbodenheizung eingebaut, die gesamte Kirche mit Sandsteinplatten und Klinker neu belegt, ein neues Gestühl erstellt nach dem Muster der früheren Bänke, alles durch die Finna Konstanzer aus Griesheim, und ein Voraltar und Ambo aus Bronze aufgestellt, entworfen und gefertigt durch die Kunstwerkstätte Gregor Telgmann, Kamen (Westfalen). 1979-1980 Eine neue Sakristei wird im Pfarrgarten gebaut und mit der Kirche durch einen Übergang verbunden. Die Außenrenovation der Kirche wird durchgeführt.


Die Ausstattung

Der Hochaltar, erst um 1757 von dem Griesheimer Stabhalter und Schreiner Jakob Karg und Franz Anton Hegenauer erstellt, gehört zum Schönsten des Gotteshauses. Zeit und Ewigkeit, die leidende und triumphierende Kirche, Gott und Mensch sind in dem holzgeschnitzten, mit reichem Ornament ausgestatteten und auf vier Säulen ruhenden barocken Aufbau symbolisch zusammengefasst. Der gebrochene Giebel neigt sich unter der Decke wieder der Erde zu. Das eingerahmte Gemälde über dem Tabernakel stellt die Verherrlichung des Kirchenpatrons St. Nikolaus dar: Mit dem Chormantel angetan, das Bischofskreuz auf der Brust, die Arme empfangend und zugleich darbietend ausgebreitet, schwebt der Heilige auf den Wolken. Ein Engel hält den Bischofsstab in der Linken, in der Rechten ein Buch mit zwei Äpfeln; den dritten Apfel hält ein anderer Engel. Ein weiterer Engel begleitet St. Nikolaus, ein 4. trägt den Saum des Chormantels. Zu den Füßen des Heiligen finden wir einen Fisch und daneben die Signierung von J. Pfunner. Vier Engelsköpfe schauen von oben auf den in seine Herrlichkeit einziehenden Bischof von Myra. Die Statuen des hl. Sebastian (rechts) und des hl. Rochus (links) weisen hin auf die Not der Menschen, die bei den Pest-Heiligen Hilfe suchen. Erden- und Menschenelend sind aber nichts Bleibendes: Alles ist überstrahlt von dem geöffneten Himmel, aus dem der dreifaltige Gott hernieder schaut. Über dem Tabernakel liegt das goldene Buch mit den sieben Siegeln, auf dem das Lamm ruht. Engel beleben das Welt- und Heilsgeschehen.


Die Seitenaltäre

Der rechts stehende, jetzige Wendelinusaltar hat bis 1757 als Hochaltar gedient. Er wurde zwischen 1720 und 1724 hergestellt und war ein Nikolaus-Altar. Die Nikolausfigur ist wahrscheinlich in der mittleren Nische gestanden. Der zweite Heilige an diesem Altar, St. Nepomuk, gilt auch als Helfer in Wassersnot, gleichzeitig ist er der Heilige des Beichtgeheimnisses und der Brückenheilige. Er hat durch die Bemühung der Markgräfin Anna Maria von Schwarzenberg besondere Verehrung im Hoheitsgebiet der katholischen Markgrafschaft gefunden.
Der linke Seitenaltar ist der Mutter Gottes geweiht und einfacher gestaltet. Er wurde wahrscheinlich dem ursprünglichen Hochaltar, jetzigen Wendelinusaltar, nachgebildet. Über der Marienstatue steht der hl. Josef mit der Lilie. Am Antependium des Altares das Marienmonogramm. Dieser Altar wurde wahrscheinlich 1745 errichtet und durch Tischinskoy 1745 um 78 Gulden gefasst. Aus der älteren Kirche mag die Rokokokanzel stammen, am Kanzelkorb die 4 Evangelisten mit ihren Symbolen; auf dem Schalldeckel der hl. Paulus mit Buch und Schwert. Der Taufstein, gestaltet als Palisadenpfeiler, stammt aus dem 17. Jh.; er war wahrscheinlich früher noch größer. Auf der verzierten Schale liegt ein Deckel des 18. Jh., darauf: Johannes tauft Jesus am Jordan. Aus dem gleichen Jahrhundert stammt auch der Beichtstuhl neben der Kanzel. Die 14 Kreuzwegstationen (19. Jh.) sind von barocken Rahmen eingefasst. Bei der letzten Kirchenrenovation (1971-1975) wurden die Wangen für die neuen Bänke nach dem Vorbild der früheren Bänke angefertigt.

Die übrigen Figuren und Gemälde. An der Südwand hängt ein großes Kreuz mit Korpus aus dem 18. Jh. Dieses hat früher im Chorbogen gehangen. Ein weiteres Kreuz hängt an der Südfront des Chorraumes. In der Sakristei befindet sich ein gut restauriertes Kreuz aus dem 18. Jh. - Eine gotische Marienfigur, die leider sehr beschädigt ist und im 18. Jh. "barockisiert" wurde, befindet sich zur Zeit im Augustiner-Museum in Freiburg. Eine weitere Marienfigur, die wahrscheinlich 1745 mit dem Marienaltar angefertigt worden ist, stellt die Immaculata dar, mit Weltkugel und Schlange. - Hinzuweisen ist noch auf die Bemalung des Aufgangs zur Orgelempore. Ihre Entstehungszeit ist nicht genau festzulegen. - Die beiden Figuren in der Mitte der Seitenaltäre, Wendelin und Maria, sind 1942 von einem in Offenburg ansässigen Künstler, Abele, geschnitzt worden. Vorher standen in diesen beiden Altarnischen schon Gipsmodelle der Gottesmutter und des Wendelin. Zwischen 1750 und 1757 wurde die Kirche ausgemalt. Außer den genannten Bildern finden wir noch an der Decke des Chores die hl. Dreifaltigkeit dargestellt, umrahmt von Engeln. Das große Deckengemälde im Schiff der Kirche stellt die Aufnahme Mariens in den Himmel dar. Es hat im Laufe der Zeit sehr gelitten und wurde, nach Dengler, zu verschiedenen Malen nicht gut restauriert. Bei der letzten Restaurierung wurden alle Übermalungen abgenommen, sodass jetzt das originale Bild weitgehend zu sehen ist.