Fronleichnamsgottesdienst im Zentrum der Stadt
Rund 300 Gläubige kamen zur Feier mit Prozession
Offenburg. Unter dem Motto: „Gott macht sich klein im Brot, damit unser Leben weit wird“ feierten rund 300 Gläubige das Fronleichnamsfest unter der Ursulasäule mit anschließender Prozession zur Heilig-Kreuz-Kirche.
„Heute feiern wir nicht im Schutzraum der Kirche, sondern draußen, mitten in Offenburg, wo Menschen arbeiten, einkaufen, unterwegs sind“, begrüßte Karlheinz Kläger, stellvertretender Pfarrer der Kirchengemeinde Mittlere Ortenau, die Menschen unter der verwaisten Ursulasäule in der Offenburger Innenstadt. Die Skulptur der Stadtpatronin fehlt, sie wird derzeit restauriert.
Zur katholischen Tradition gehören prächtige bunte Blumenteppiche, wie sie in vielen Orten und besonders in Mühlenbach im Kinzigtal auch von zahlreichen auswärtigen Besuchern bewundert werden. In Offenburgs Stadtmitte verzichtet man seit Jahren darauf. Sommerliche Altargestecke, Weihrauch und die festlichen Klänge der Stadtkapelle sorgten für einen würdigen Rahmen, obwohl der Himmel grau war, starke Windböen die Kirchenfahnen bauschten und die Mikrofone ploppten.
"Leib des Herrn"
60 Tage nach Ostern begeht die katholische Kirche das sogenannte Hochfest des Leibes und Blutes Christi. Der Name Fronleichnam bedeutet so viel wie „Leib des Herrn“ und hängt zusammen mit dem letzten Abendmahl Jesu und der Einsetzung der Eucharistie - im Brot ist nach katholischer Überzeugung Jesus gegenwärtig. Seinen Ursprung hat das Fest im 13. Jahrhundert, es geht zurück auf eine Vision der Augustinernonne Juliana von Lüttich. Ihr Traumbild eines dunklen Flecks auf dem Mond wurde so gedeutet, dass der Kirche ein Fest zu Ehren des Altarsakramentes fehle.
Dieses Fest der leiblichen Gegenwart Christi in der Eucharistie wurde daraufhin im Bistum Lüttich eingeführt und 1264 von Papst Urban IV. zum Fest der Gesamtkirche erhoben. Bald fanden die ersten Fronleichnamsprozessionen zu Ehren des heiligen Brotes auch in Deutschland statt. Die kleine weiße Hostie wurde - und wird noch heute - in der Monstranz, einem vergoldeten liturgischen Schaugefäß, mitgeführt und den Gläubigen gezeigt.
"Eines der mutigsten Feste"
Doch es werde kein frommer Brauch aus vergangenen Zeiten gefeiert, wie Pfarrer Kläger betonte, sondern Christus selbst, gegenwärtig im Brot des Lebens. Gott mache sich klein im Brot, groß genug, dass er unser Leben verwandeln könne. Fronleichnam sei eines der mutigsten Feste der Kirche. Der Glaube bleibe nicht brav auf seinem Stammplatz sitzen, sondern stehe auf, gehe vor die Tür und zeige sich. Auch sei das heutige Evangelium nicht brav. Jesus habe nicht gesagt: „Ich gebe euch ein schönes Symbol“. Er sagte: „Ich bin das lebendige Brot.“ Und er fügte hinzu: „Wer mein Fleisch isst und mein Blut trinkt, hat das ewige Leben.“ Das klinge nicht wie ein netter religiöser Gedanke, das sei mehr als kräftig und für viele Ohren damals und heute anstößig.
Brot sei ein starkes Zeichen. Wer Hunger habe, sehne sich nach Brot. Doch der Mensch brauche mehr, er brauche Sinn. Vielleicht, so der stellvertretende Pfarrer, sei es die Not vieler Menschen heute, dass Kühlschränke und Terminkalender voll sind, die Herzen aber erschöpft und die Seele hungrig.
Gott antworte auf den Hunger des Menschen nicht mit einem Konzeptpapier, Gott gebe sich selbst in einem Stück Brot. Das habe Konsequenzen auch für das Zusammenleben. Wer dasselbe Brot esse, könne den anderen nicht einfach abschreiben. Hier beim Rathaus werde sichtbar: „Glaube ist nicht Flucht aus der Welt, sondern gehört hinein in die Stadt, in die Entscheidungen, in das Miteinander, in die Frage, wie wir mit Schwachen umgehen, wie wir reden, teilen, Macht gebrauchen und Frieden suchen.“
Text: Barbara Puppe